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Alemannia - FC Bayern München 2:1 am 04. Februar 2004

  • DFB-Pokal - Saison 2003/2004 - 4. Spieltag
  • Datum: Mittwoch 04.02.2004  - 20:30 Uhr
  • Zuschauer: 20.400 (davon ca. 3.000 Bayern Fans)
  • Wetter: leicht bewölkt, 15°
  • Schiedsrichter: Michael Weiner

 

  • Vereinswappen Alemannia Aachen Alemannia Aachen
  • Vereinswappen Alemannia Aachen FC Bayern München

 

50 Jahre nach Bern: das Wunder von Aachen

 

Eine tolle Stimmung herrschte schon weit vor dem Anpfiff rund um den Tivoli, in den Kneipen, in den Zelten und im Alemannia-Shop, aus dem das Radio schon seit dem Nachmittag live sendete. Auch im Stadion selbst war Party angesagt und man merkte allen Beteiligten an - Unbeteiligte gab es an diesem Abend nicht -, dass man sich lange nach so einer Partie gesehnt hatte. Der deutsche Rekord-Meister und -Pokalsieger trat in einem Pflichtspiel am Tivoli an. In den ersten drei Spielen des Viertelfinales hatte es keine Überraschungen gegeben, also war im vierten Spiel eigentlich eine fällig. So oder so ähnlich machten sich die Fans vor Spielbeginn Mut.

Unsere Mannschaft zeigte dann von Beginn an zwar Respekt vor dem großen Namen, doch schnell merkte man, dass alle Spieler durchaus mithalten konnten. Mehr sogar noch: In der Anfangsphase war Alemannia die spielbestimmende Mannschaft. Den ganz in weiß gekleideten Münchenern glückte zunächst nicht viel, das Selbstvertrauen der Schwarz-Gelben hingegen wuchs mehr und mehr. Bereits in der 14. Minute hatte unsere Mannschaft die Riesenchance zur Führung. Nach einem langen Ball von Willi Landgraf die Linie entlang, konnte sich Dennis Brinkmann über rechts durchsetzen, seine Flanke fand den Kopf von Erik Meijer, der auf Cristian Fiél ablegen konnte. Cristian wartete nicht lange und legte quer in den Torraum, doch am hinteren Pfosten verpasste Emmanuel Krontiris denkbar knapp.

Alemannia blieb am Drücker und zeigte in dieser Phase eine erstklassige Leistung. Einem sauberen Aufbauspiel aus der Abwehr heraus folgte ein gepflegtes Passspiel im Mittelfeld und dann wurde der Weg nach vorne gesucht. Stefan Blanks Schuss in der 19. Minute zwei Meter über dem Tor konnte man allerdings noch getrost als Einschießen abheften. Vier Minuten folgte später die nächste hundertprozentige. Diesmal flankte Stefan Blank vom linken Flügel in den Strafraum und spielte so Emmanuel Krontiris frei. "Emu" nahm den Ball kurz mit und schoss dann aus der Drehung aufs Tor. Doch Nationalkeeper Oliver Kahn zeigte in dieser Szene, warum er gerade zum drittbesten Torwart der Welt gewählt worden war und lenkte mit einem fast unglaublichen Reflex den Ball über die Latte.

Drei Minuten später sahen die immer optimistischer werdenden Fans die nächste Gelegenheit zur Führung. Wieder war es Dennis Brinkmann von rechts, der das Leder gefährlich nach innen brachte. Emmanuel Krontiris verpasste zwar in der Mitte, doch hinten lauerte Cristian Fiél, dessen Schuss aber auf der Linie gerettet wurde. Die Stimmung wurde immer besser, die Laune von Oliver Kahn immer schlechter und insgesamt waren die Schwarz-Gelben die tonangebende und bessere Mannschaft.

Als man sich gerade anfing Sorgen zu machen wegen der vielen vergebenen Torchancen - meist geht der Schuss ja dann nach hinten los - fiel die längst überfällige Führung. Stefan Blank wurde aus dem Mittelfeld angespielt und haute einfach mal drauf. Mit einem Gewaltschuss aus 25 Metern überraschte er selbst Oliver Kahn (Franz Beckenbauer später: "Ein Torwartfehler") und erzielte den längst verdienten Führungstreffer (Stefan Blank: "Ein Tor wie gegen Unterhaching. La Bomba ist zurück"). Erst in den letzten Minuten der 1. Halbzeit wurde der Gast etwas stärker und baute so etwas wie Druck auf. Torchancen hatte der FCB aber keine, bis auf die eine Szene in der Nachspielzeit. Irgendwie hatte sich Michael Ballack frei geschlichen und köpfte eine Flanke unbedrängt zum Ausgleich ins Netz. Mit 1:1 wurden sie Seiten gewechselt, ein für den Favoriten schmeichelhaftes Ergebnis.

Auch nach der Pause sahen die Zuschauer keine hoffnungslos unterlegene Heimmannschaft. Die Schwarz-Gelben hielten weiter gut mit, auch wenn der Gast jetzt besser ins Spiel kam. Gefährlich wurde es immer dann, wenn beim FC Bayern der Ball einmal über mehrere Stationen lief. "Die spielten mit einer unheimlichen Präzision", meinte nach dem Spiel Abwehrchef Alexander Klitzpera, "da springt kaum ein Ball weg, der Pass kommt in den Fuß und du musste in jeder Sekunde unheimlich aufmerksam und konzentriert sein." Die Führung gelang dem Pokalverteidiger allerdings nicht. Einen Freistoß von Owen Hargreaves holte Stephan Straub aus dem Winkel (59.) und auch als Roy Makaay seinem Schatten Quido Lanzaat entwischt war, parierte unser Keeper dessen Schuss glänzend (65.).

In der 72. Minute wäre aber auch unser Torwart geschlagen gewesen. Michael Ballak hatte einen Eckball mit dem Kopf erwischt, doch auf der Torlinie konnte Willi Landgraf retten. Aber auch unsere Mannschaft versteckte sich in dieser Phase nicht und Gelegenheiten von Karlheinz Pflipsen und Stefan Blank machte Nationalkeeper Oliver Kahn zunichte.

Die Entscheidung fiel neun Minuten vor Schluss. Der eingewechselte Bachirou Salou hatte sich auf dem rechten Flügel durchgesetzt, legte zurück auf den ebenfalls eingewechselten Frank Paulus und dessen direkte Flanke wurde per Kopf von Erik Meijer ins Netz der Münchener und ins Herz der Bayern befördert. Jetzt war hier alles außer Rand und Band, der Tivoli wurde zum Tollhaus. Die letzten Minuten wurde dann noch zu einer Zitterpartie. Jetzt endlich besann sich der Deutsche Meister auch auf seine kämpferischen Qualitäten, paarte diese mit der ohne Zweifel vorhandenen spielerischen Klasse und setzte unsere Mannschaft gehörig unter Druck. Doch Alemannia hielt dagegen, die Spieler warfen sich in die Schüsse und zwangen den Gegner immer wieder in die Zweikämpfe. Der gut leitende Schiedsrichter Weiner ließ wieder nachspielen, Gedanken an die erste Halbzeit kamen hoch, doch diesmal hielt unsere Abwehr stand. Dann kam der Abpfiff und es brachen alle Dämme.

Alemannia hatte es geschafft, den großen FC Bayern in die Knie gezwungen und das nicht einmal unverdient. Der Schlüssel zum Erfolg lag vor allem in einer sehr disziplinierten und konzentrierten Spielweise. Spielerische Mittel wechselten sich mit langen Bällen nach vorne ab und gerade diese bereiteten dem FC Bayern überraschend viele Probleme. Nun hatte das Viertelfinale doch noch seine Überraschung, die der Sieg der Alemannia mit Sicherheit bleiben wird. Doch eine Sensation war es nicht, denn dafür hatte unsere Mannschaft einfach viel zu stark gespielt. Dennis Brinkmann: "Wir hatten einen guten, die Bayern hat einen schlechten Tag. Es war einfach geil."


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